Slider

Schneller grün: Tankstelle in Zeitz setzt auf Biomethan

Etwa 850 Erdgas-Tankstellen gibt es in Deutschland, rund ein Viertel davon bieten alternativ auch Biomethan in verschieden hoher Beimischung an. Zu wenig, wenn man die Stadtwerke Zeitz fragt. Sie sind Gas-Lieferant für die CNG-Tankstelle in Zeitz, die von MoviaTec betrieben wird. Und vor allem sind sie überzeugt davon, dass Grüne Gase im Energiemix eine wesentliche Rolle für das Klima spielen.

100 Prozent Biomethan werden seit dem 1. Januar dieses Jahres an den Zapfsäulen nahe der Bundesstraße B2 zwischen Leipzig und Zeitz angeboten. Die Umstellung von Erdgas auf Biomethan ging dabei völlig ohne technische Anpassung an den Anlagen und reibungslos vonstatten. „Durch den Wechsel zu Biomethan hat der Kunde erstmal keine langfristig planbaren Vorteile“, berichtet Heike Wolff-Georgi, Vertriebsleiterin der Stadtwerke Zeitz. „Biogas ist leider immer noch teurer als fossiles Gas, weil die Politik nicht genug Anreize schafft und die Nachfrage deswegen stagniert. Das Angebot wirkt sich aber ganz klar auf das Image eines Tankstellen-Betreibers aus, wenn er sich für das Klima engagiert und deswegen gegebenenfalls sogar Mehrkosten trägt. Das lohnt sich durchaus.“ Zudem kann jederzeit eine politische Besserstellung von Biomethan kommen – und der Gewinn übersteigt die Kosten.

Impuls THG-Quote

Trotz aller Kritik an politischen Regelungen: Einen finanziellen Impuls gibt es bereits, auch bei der Umstellung der hiesigen Zapfsäulen auf Biomethan. Denn die 2016 mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) eingeführte Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) führt dazu, dass Erdgastankstellen wirtschaftlich werden.

Der Biomethan-Vermarkter bmp greengas liefert 100-prozentiges Biomethan an eine Gastankstelle in Zeitz. Foto: bmp greengas

Der Biomethan-Vermarkter bmp greengas liefert 100-prozentiges Biomethan an eine Gastankstelle in Zeitz. Foto: Stadtwerke Zeitz

Das grundlegende Ziel der Quotenregelung ist es, Biokraftstoffe zu fördern, Emissionen und Treibhausgase zu reduzieren – und von Mineralölkonzernen Ausgleichsleistungen für umweltschädliches Handeln zu fordern. Letztere, auch Inverkehrbringer genannt, sind verpflichtet, einen gewissen Prozentsatz des in den Markt gebrachten Otto- oder Dieselkraftstoffs durch erneuerbare Energien auszugleichen. Seit 2020 müssen sie ihre verursachten Treibhausgasemissionen um sechs Prozent senken. Diese Verpflichtung können sie entweder selbst erbringen oder an Dritte übertragen. Dafür kaufen sie die Einsparung ein, nämlich bei Erdgas-, Biomethan- oder Strom-Tankstellen – und so unter anderem bei der CNG-Tankstelle in Zeitz.

Aufgrund einer besonderen Konstellation bedeutet das für die Jahre 2020 und 2021: Der Preis pro Tonne CO2-Einsparung ist im Vergleich zu den Vorjahren erheblich gestiegen und die Vermarktung der Quote wird so zum lohnenden Geschäft. Die Abwicklung und die eigentliche sogenannte Quotenvermarktung erledigt man in Zeitz aber nicht selbst, sondern überlässt die Handhabung dem in München ansässigen Biomethan-Vermarkter bmp greengas GmbH. Das Unternehmen liefert außerdem das Biomethan in der gewünschten Qualität an die Stadtwerke.

Luft nach oben bleibt

Trotz des eigenen Handelns im Sinne der Umwelt, Luft nach oben ist gemäß Heike Wolff-Georgi nach wie vor: „Ich finde es schade, dass die Gas-Mobilität politisch eigentlich nicht stattfindet. Ich bin überzeugt, dass Grünes Gas Teil des Gesamtkonzepts im Sinne der CO2-Reduktion für die Klimaneutralität sein muss.“ Schon der Anteil der Lkw, die bei ihnen stoppen, zeigt aber, dass noch nicht genug geschieht. „Bundesstraßen werden von den Lastkraftwagenfahrern ja gerne genutzt, um die Maut zu umgehen. Wir können also ziemlich gut beobachten, wie viele von ihnen Erdgas bzw. Biomethan tanken. Und die Anzahl ist wirklich sehr gering.“ Dabei hätte die Tankstelle in Zeitz alles, was es zum schnellen Gas-Nachschub selbst in großen Mengen bräuchte.

ÖPNV aus dem Landkreis kommt nach Zeitz

Ein Beweis dafür ist der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Denn: Wer in Zeitz in den Bus steigt, fährt vermutlich mit Biomethan. Der Burgenlandkreis, der die Busse und Bahnen der Region verantwortet, setzt insgesamt 27 Erdgas-Busse und davon zehn ausschließlich in Zeitz ein. Getankt wird Grünes Gas. „Wir haben gegenüber anderen Erdgas-Tankstellen einen großen Vorteil“, sagt Heike Wolff-Georgi. „Die Zapfsäulen sind mit so leistungsstarken Verdichtern ausgerüstet, dass das Tanken auch für Lkw und Busse sehr schnell geht.“ Statt langer Wartezeiten, die gerade im ÖPNV oder in der Logistik bares Geld bedeuten, gibt es hier also Biomethan im Minutentakt. (jr)

www.bmp-greengas.de

www.stadtwerke-zeitz.de