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Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) veröffentlichen Karte für Wasserstoffnetz

29.01.2020 – Die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) haben eine Vision für eine erste deutschlandweite Wasserstoffinfrastruktur in Form einer Netzkarte vorgestellt. Hierin sind Leitungen mit einer Gesamtlänge von etwa 5.900 Kilometern aufgeführt. Das visionäre Leitungssystem basiert dabei zu über 90 Prozent auf dem bereits bestehenden Erdgasnetz und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Großteil der zukünftigen Verbrauchsschwerpunkte von Wasserstoff in den Sektoren Industrie, Mobilität und Wärme sowie zahlreiche Untertagespeicher können darüber hinaus über das Leitungssystem mit den Aufkommensschwerpunkten verbunden werden.

Klimaneutral erzeugtes Gas – insbesondere grüner Wasserstoff – stellt neben erneuerbarem Strom für viele Sektoren den Schlüssel zu einer erfolgreichen Dekarbonisierung dar. Dies haben das Bundeswirtschaftsministerium und die dena branchenübergreifend im Dialogprozess Gas 2030 festgestellt. Mit der Veröffentlichung des visionären Wasserstoffnetzes wollen die FNB für die von der Bundesregierung angekündigte Wasserstoffstrategie einen Beitrag leisten und einen ersten konkreten Schritt in die künftige Wasserstoffwirtschaft aufzeigen.

Technische und netzplanerische Lösungen

„Die Fernleitungsnetzbetreiber setzen sich für die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur auch für Wasserstoff ein. Wir arbeiten mit Hochdruck an konkreten technischen und netzplanerischen Lösungen, damit die Integration gelingen kann“, erklärt Ralph Bahke, Vorstandsvorsitzender des FNB Gas.

Die visionäre Wasserstoffkarte führt Gasleitungen mit einer Gesamtlänge von etwa 5.900 Kilometern auf. Foto: FNB Gas

Die visionäre Wasserstoffkarte führt Gasleitungen mit einer Gesamtlänge von etwa 5.900 Kilometern auf. Foto: FNB Gas

Damit die Energiewende mit Wasserstoff ein Erfolg werden kann, sind verschiedene Maßnahmen nötig. Von zentraler Bedeutung dabei ist die Schaffung einer ausschließlich für den Transport von Wasserstoff vorgesehenen überregionalen Infrastruktur zur Verbindung diverser inländischer Erzeugungsquellen – beispielsweise Power-to-Gas-Anlagen – und Speichern bzw. Importen mit den Verbrauchern. Der in vielen Studien belegte, stark ansteigende Bedarf an Wasserstoff macht einen solchen überregionalen Wasserstofftransport notwendig. „Damit schaffen wir das Rückgrat der zukünftigen Wasserstoffwirtschaft“, führt Bahke aus.

Die FNB beschäftigen sich darüber hinaus mit der Entwicklung von Realisierungsoptionen und Umsetzungspfaden. „Unser Ziel ist es, die bestehende Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff nutzbar zu machen. Dabei untersuchen wir in konkreten Projekten ausgewählte Leitungsabschnitte, um zügig erste Industriebetriebe mit Wasserstoff versorgen zu können“, erklärt der FNB Gas-Vorstandsvorsitzende.

Weiterentwicklung Netzentwicklungsplan Gas

Überdies finden die zukünftige Wasserstofferzeugung und der Wasserstoffbedarf erstmalig Einklang in die aktuelle Modellierung des Netzentwicklungsplans (NEP) Gas 2020-2030. Auch haben die FNB konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung den NEP Gas gemacht. Inga Posch, Geschäftsführerin der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber, ergänzt: „Wir machen uns dafür stark, dass Wasserstoff künftig in diesen bewährten Prozess als weitere Gasbeschaffenheit – neben H-Gas und L-Gas – integriert wird. Da der Rechtsrahmen hierfür angepasst werden muss, appellieren wir an die Politik und die Regulierungsbehörde, hier zügig die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten.“

Mit ihrer Vision für eine überregionale Wasserstoffinfrastruktur möchten die FNB einen Impuls für eine volkswirtschaftlich effiziente infrastrukturelle Entwicklung für die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland geben. Die FNB werden ihre Expertise als Gasnetzbetreiber auch in den kommenden Prozess für die weitere Ausgestaltung der nationalen Wasserstoffstrategie aktiv einbringen, um eine Vorreiterrolle Deutschlands beim Thema Wasserstoff zu unterstützen und voranzutreiben. Abschließend weist Bahke darauf hin, dass neben der Schaffung einer Transportinfrastruktur für Wasserstoff auch ein organisierter Markthochlauf für die Elektrolyseure sowie die Schaffung eines Anreizsystems für die Nachfrage von erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen notwendig ist, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. (jr)

www.fnb-gas.de